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Wie viel Öffentlichkeit verträgt ein Unternehmen?

Kategorie: News

Hans Leyendecker (Süddeutsche Zeitung) und Andreas Severin (crossrelations) diskutierten auf dem DAMK-Podium: "Zwischen Transparenz und Geheimnis: Wie weit darf Öffentlichkeitsarbeit gehen?"

Hans Leyendecker

Professionelle Öffentlichkeitsarbeit - das ist immer der Spagat zwischen zwei Extremen:

Auf der einen Seite steht das journalistische Bemühen um möglichst viel Transparenz und Information für die Öffentlichkeit. Aber bis zu welchem Punkt? Bis zur "totalen Transparenz" - Stichwort Wikileaks?

Zum anderen hat jedes Unternehmen das massive Interesse, personenbezogene Informationen oder geplante Geschäfte vor allzu viel Öffentlichkeit zu schützen. Informationen, die nach Meinung des Unternehmens außer bestimmten Mitarbeitergruppen, Eigentümern oder Aktionärsvertretern niemanden etwas angehen. Oder bei denen es auf den richtigen Zeitpunkt der Veröffentlichung ankommt.

Zum Auftakt des berufsbegleitenden Praxisstudiums Fachwirt Public Relations konnte die DAMK Hans Leyendecker, Deutschlands profiliertesten investigativen Journalisten, für eine Podiumsdiskussion gewinnen. Das Thema "Transparenz und Geheimnis: Wie weit darf Öffentlichkeitsarbeit gehen?"

Hans Leyendecker, früher beim SPIEGEL, seit 1997 leitender politischer Redakteuer der Süddeutschen Zeitung, deckt seit Anfang der 80er Jahre Affären und Skandale auf - von Flick bis Eccleston.

Auf dem DAMK-Podium diskutierte er am 24. Februar 2011 über die Grenzen der Öffentlichkeit - mit Andreas Severin, Managing Director der Agentur crossrelations und Profi im Umgang mit Krisenmandaten.

Der Journalist Michael S. Zerban war dabei - und berichtet auf http://www.crossrelations-blog.de/

Hans Ley­en­de­cker von der Süd­deut­schen Zei­tung dis­ku­tierte am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag in der Uni­ver­si­tät Düs­sel­dorf mit crossrelations-​​Chef Andreas Seve­rin über das Thema „Wie viel Öffent­lich­keit braucht/​verträgt ein Unter­neh­men?“ Mit die­ser pro­mi­nent besetz­ten Ver­an­stal­tung machte die Düs­sel­dor­fer Aka­de­mie für Mar­ke­ting­kom­mu­ni­ka­tion den Auf­takt zum berufs­be­glei­ten­den Pra­xis­stu­dium Fach­wirt Public Relations.

Andreas Seve­rin und Hans Ley­en­de­cker
Foto: Michael S. Zerban

Ley­en­de­cker, Deutsch­lands pro­fi­lier­tes­ter inves­ti­ga­ti­ver Jour­na­list, gab span­nende Ein­bli­cke in seine Recher­che­pra­xis und das Ver­hal­ten von Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­to­ren. Der Jour­na­list betonte die Not­wen­dig­keit einer fai­ren Vor­ge­hens­weise unter Beach­tung der jour­na­lis­ti­schen Sorg­falts­pflich­ten. So sei es von grund­le­gen­der Bedeu­tung, dass betrof­fene Unter­neh­men hin­rei­chend Gele­gen­heit zur Prü­fung und Beant­wor­tung einer Anfrage erhal­ten. Bei Unter­neh­men, die rund um die Uhr erreich­bar seien, könne man sehr kurze Fris­ten von nur weni­gen Stun­den set­zen. Seine Redak­tion gebe in der Regel gut andert­halb Tage für eine Rück­mel­dung auf einen Vorhalt.

Andreas Seve­rin wies auf die beson­dere Rolle des Fak­tors Zeit hin, der den Unter­neh­men in der Bear­bei­tung kri­ti­scher The­men zu schaf­fen mache. Ein­mal kon­fron­tiert mit einem kri­ti­schen Vor­halt, sei es auch für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­ant­wort­li­che in Unter­neh­men oft schwie­rig, intern hin­rei­chend zur Auf­klä­rung von Sach­ver­hal­ten zu gelan­gen oder auch nur Stel­lung­nah­men zu orga­ni­sie­ren. Dabei sei den Kom­mu­ni­ka­to­ren völ­lig klar, wie schwer es sei, einen fal­schen Vor­halt, wenn er erst von einem Leit­me­dium in Umlauf gebracht wurde, wie­der aus der Welt zu schaffen.

Eine viel grö­ßere Bedro­hung für Unter­neh­men als die seriös arbei­ten­den Qua­li­täts­me­dien seien jedoch Angriffe aus Blogs und ande­ren Online-​​Quellen, die sich nicht an das Pres­se­recht gebun­den sehen. Die hier­mit ver­bun­de­nen Risi­ken stell­ten Unter­neh­men vor große Her­aus­for­de­run­gen in der Beob­ach­tung des Webs und der Orga­ni­sa­tion von Bearbeitungsprozessen.

Eines erstaunte indes auch den erfah­re­nen Ent­hül­lungs­jour­na­lis­ten Ley­en­de­cker: Immer wie­der höre man von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­ra­tern, die zu Sät­zen von vier-​​ bis fünf­tau­send Euro am Tag Unter­neh­men in Kri­sen­pha­sen unter­stüt­zen. „Ich frage mich nur: Warum rufen die mich nie an? Ich rede doch mit allen.“ In knapp drei­ßig Jah­ren habe sich noch nie einer die­ser teu­ren Top-​​Consultants an ihn gewandt, um zur Auf­klä­rung eines Kon­flikts bei­zu­tra­gen. „Wofür wer­den die eigent­lich bezahlt?“

„Ver­mut­lich wer­den die Bera­ter eher für die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sze­na­rien im Hin­ter­grund benö­tigt. Der direkte Kon­takt zu den Medien bleibt die Domäne des Pressechefs.“

In die­sem Punkt konnte auch Bera­ter Seve­rin nur spe­ku­lie­ren. „Ver­mut­lich wer­den die Bera­ter eher für die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sze­na­rien im Hin­ter­grund benö­tigt. Der direkte Kon­takt zu den Medien bleibt die Domäne des Pres­se­chefs.“ Alles in allem an die­sem Abend eine über­ra­schend ein­ver­nehm­li­che Ein­schät­zung der Bezie­hun­gen zwi­schen Medien und Unter­neh­mens­presse. Und auf alle Fälle ein moti­vie­ren­der Auf­takt für die anwe­sen­den Stu­die­ren­den des PR-​​Ausbildungsgangs.